Buchrezension: Rafik Schami – Eine Hand voller Sterne

In Rafik Schamis Roman „Eine Hand voller Sterne“ teilt der jugendliche Ich-Erzähler in seinem Tagebuch seine Erlebnisse über einen Zeitraum von etwa dreieinhalb Jahren mit. Der Junge kann gut Gedichte schreiben, er entdeckt seine Liebe zur Sprache. Es ist sein Wunsch, ein Journalist zu werden. Sein Berufswunsch scheint aber in Gefahr zu geraten, weil der Vater möchte, dass er in der familieneigenen Bäckerei arbeitet. Erst als er die Gelegenheit bekommt, in einer Buchhandlung eine Ausbildung anzufangen, eröffnet sich ihm eine Möglichkeit, die Backstube zu verlassen. Während seiner Tätigkeit als Brotlieferant des Vaters lernte der Junge den Journalisten Habib kennen. Habib, der bei der Zeitung der Regierung beschäftigt ist, ist aber dafür, echten Journalismus zu betreiben und nicht zu lügen. Er zeigt dem Jungen, wie journalistische Texte zu verfassen sind. Der Jugendliche beginnt, sich mit den Ungerechtigkeiten der Regierung auseinanderzusetzen. In Form einer „Sockenzeitung“ versucht er, mit seinen Freunden Mahmud und Habib, sich gegen die Unterdrückung der Menschen durch die Regierung zustellen. Der Journalist bezahlt seine Aktionen, nach furchtbarer Folter, mit dem Leben. In Konfliktsituationen steht dem Ich-Erzähler sein Onkel Salim als ein väterlicher Freund zur Seite. Als Salim stirbt, muss der Junge lernen, mit dem Verlust und Schmerz umzugehen. Seine Freizeit verbringt er viel mit seinen Freunden Josef und Mahmud. Seine Erfahrungen werden von zahlreichen Menschen seines Stadtteils geprägt, so z.B. durch das Aufeinandertreffen mit einem Verrückten. Der Verrückte läuft jeden Tag mit seinem Spatz in Damaskus herum. Er bittet den Jungen um ein Blatt Papier und einen Stift und schreibt einen Text auf. Verschiedenen Textstellen schreibt er in unterschiedlichen Sprachen. Er braucht Tage, um alle Leute zu finden, die die Sprache verstehen. Den kompletten übersetzten Text könnt ihr im Buch auf der Seite 67 finden. Eines Tages wird ihm Spionage vorgeworfen und er wird zusammen mit anderen Volksvertretern in eine Zelle gesperrt. Jeden Tag kam ein Spatz zur Zelle. Doch am dritten Tag muss der Mann wegen einer Krankheit versetzt werden. Der Spatz kam nie wieder zur Zelle. Als der Verrückte aus dem Gefängnis frei gelassen wird, fällt er in Ohnmacht und wird ins Krankenhaus gefahren. Seitdem sieht man ihn nie wieder, weil er gestorben ist.

Aber der Ich-Erzähler erzählt nicht nur über schreckliche Erlebnisse, sondern auch über die bisher unbekannten Gefühle einer aufkeimenden Liebe zu dem Mädchen Nadia. Er erzählt, dass er sich nicht traut, Nadia anzusprechen, von der Angst vor ihrem Vater und wie schön die gemeinsamen Unternehmungen sind. Er berichtet von seinen Ängsten, Sorgen und Zukunftsplänen – und häufig von Eifersucht. Die Entwicklung des Jungen war sehr gut in dem beschriebenen Zeitraum zu verfolgen.

Von Julien